Mit Facebook recherchieren

Wenn ich als Journalistin mehr über eine Person herausfinden möchte, führt mich der Online-Weg in der Regel erst zu Google und dann direkt weiter zu Facebook. Hier kann ich Erstaunliches über meine “Zielperson” herausfinden, selbst wenn wesentliche Informationen auf den ersten Blick verborgen zu sein scheinen. Und auch, obwohl das neue Datenschutzgesetz in Kraft getreten ist.

Wir nutzen dafür die “Open Source Intelligence”. Damit ist es möglich auf legalem Wege erstaunlich viele Infomrationen über eine Person zu sammeln.

Auf unserem wafana-Blog veröffentlichen wir künftig in unregelmäßigen Abständen spannende Recherche-Tipps für (investigativ arbeitende) Journalisten. Heute soll es ein praktischer, grundsätzlicher Hinweis sein.

Legen Sie sich ein Recherche-Profil zu. Nehmen Sie dafür nicht Ihren Klarnamen.

Im Gegensatz zu Portalen wie Xing, auf denen ich mit Foto und Verbindungsgrad angezeigt bekomme, wer auf mein Profil geklickt hat und diese Offenheit gewollt ist, geht es auf Facebook weniger offensichtlich zu. Trotzdem kann mein Gegenüber erfahren, dass ich sein Profil mehrfach besucht habe. Das funktioniert über den Service “Freunde vorschlagen”.

Ein Beispiel: Wenn Hans mehrmals auf das Profil von Beata klickt, geht Facebook davon aus, dass Hans Beata wohl kennt und schlägt beiden Seiten eine Freundschaft vor. Mit Namen und Foto der Betroffenen. Als investigativ arbeitenden Journalist wollen Sie das natürlich in aller Regel nicht.

Damit Ihr Recherche-Profil möglichst keine Rückschlüsse auf Sie gibt, sollten Sie Ihr neues Profil mit einer neuen Mailadresse anlegen. Dafür empfiehlt sich im Moment GMX. Denn hier können Sie Ihren neuen Account ohne weitere persönliche Daten anlegen. Bei fast allen anderen Mail-Anbietern müssen Sie in der Regel eine Telefonnummer und eine andere, gültige Mailadresse hinterlassen. Privatpersonen dürfen das natürlich nicht, aber wie Sie wissen gelten andere Regeln, wenn es um gesellschaftlich relevante Recherchen geht. Danach:

Hauchen Sie Ihrem Recherche-Profil leben ein.

Facebook wird immer besser darin Fake-Accounts zu erkennen und diese zu sperren. Wenn Sie Ihr Profil über einen längeren Zeitraum nur für die Recherche nutzen, erkennt Facebook womöglich, dass hier etwas nicht stimmt.

Um Facebook zu zeigen, dass Sie ein echter Mensch sind, sollten Sie Folgendes tun: Beiträge von anderen Personen (z.B. in Gruppen) liken. Ab und an einen Kommentar schreiben. Das genügt in der Regel. Die Facebook-Server sehen Aktivität und wittern keine “Gefahr”.

 Los geht´s.

Den Account Ihrer “Zielperson” zu finden ist nicht immer einfach. Denn auch wenn Sie deren Vor- und Nachnamen wissen, bedeutet es noch lange nicht, dass Sie die Person mit ihrem echten Namen auch auf Facebook zu finden ist. Wie also fündig werden? Die Antwort: Denken Sie weiträumiger. Was wissen Sie über die Person? Vielleicht, wo Sie arbeitet? Wunderbar, dann nutzen Sie das gleich aus.

Ich möchte beispielweise eine Frau finden, die bei Audi arbeitet. Dafür tippe ich in die Suchleiste folgende Worte ein – und zwar genau diese Worte “People who work at”, sonst funktioniert die Suche nicht. In unserem Fall also “People who work at Audi Germany”.

Nun wird mir eine ganze Liste von Personen angezeigt, die in ihrem Profil angegeben haben, bei Audi zu arbeiten. Sollten bei Ihnen keine Ergebnisse angezeigt werden, kann das unter anderem an der Spracheinstellung liegen. Ist ihr Account in deutscher Sprache eingestellt? Wechseln Sie unter “Einstellungen” auf das amerikanische Englisch. Dadurch erhalten Sie in aller Regel deutlich mehr Ergebnisse. Dies gilt für alle Suchen auf Facebook, idealweise läuft ihr Account also langfristig auf Englisch.

Sie wissen, in welcher Stadt Ihre Zielperson lebt? Dann nutzen Sie es aus. Suchen Sie mit “People who live in” nach ihr. Je kleiner der Ort, desto schneller können Sie fündig werden. Als Beispiel wähle ich das kleine, beschaulich Örtchen Aitrang im Allgäu.

Es gibt eine große Zahl weiterer Suchmöglichkeiten. Diese und viele weitere Tipps erhalten Sie ab sofort in unregelmäßigen Abständen hier auf unserem wafana-Blog. Haben Sie Fragen oder Anregungen? Schreiben Sie uns jederzeit gerne: kontakt@wafana.de

Leave a Reply

Required fields are marked*