Facebook-Thementrends der SPD-Fans kurz nach der Bundestagswahl

Konstantin Wecker zur Schock-Bewältigung: So reagieren die Facebook-Fans der SPD auf die Wahlniederlage

Tauchen Sie ein in das Stimmungsbild der Sozialdemokraten in den Stunden vor und nach der Bekanntgabe der Wahlergebnisse. Wir haben analysiert, was die Fans der SPD-Facebook-Seite am 24. und 25. September beschäftigt hat.

offener Brief AfD

Offener Brief an die Afd, der bei den Fans der SPD-Facebook-Seite bereits am 25.09. im Trend lag

Auch auf Facebook wird deutlich: In der Endphase des Wahlkampfs setzt die SPD kaum auf konkrete Inhalte, sondern auf Aufrufe gegen die AfD. Bis 18 Uhr liegen am Wahltag vor allem zwei Parteivideos im Trend: Im ersten warnt die 95-jährige Holocaust-Überlebende Inge Deutschkron vor der AfD. Im zweiten beruft sich Martin Schulz darauf, dass die SPD im Jahr 1933 als einzige Partei gegen Hitlers Ermächtigungsgesetz gestimmt hat. Er nutzt den geschichtlichen Rückblick, um sich ebenfalls vehement gegen die Alternative für Deutschland zu positionieren.

Auch unabhängig von Partei-Produktionen machen sich die SPD-Fans Sorgen über den Einzug der AfD in den Bundestag. Besonders häufig geteilt wird ein Video der Kampagnen-Plattform campact, in dem die Sprache von AfD-Vertretern mit der Sprache der Nazi-Zeit verglichen wird. An zentraler Stelle steht dabei Alexander Gaulands Aussage, man könne stolz sein „auf die Leistungen deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen“.

Im Trend liegt außerdem ein Kommentar der Zeit, in dem der Autor Daniel Erk die Meinung vertritt, die AfD ziele im Grunde auf eine Änderung des Grundgesetzes sowie eine teilweise Aufhebung des Rechtsstaates ab, denn zentrale Forderungen der Partei bezüglich der deutschen Flüchtlingspolitik seien in Form einer europäischen Abschottungspolitik längst umgesetzt worden.

Einige SPD-Fans scheinen sich am Wahltag aber auch die Frage zu stellen, ob sie ihr Kreuz nicht doch bei der AfD machen sollen. Sie teilen einen Selbsttest von Spiegel Online, für den Christian Stöcker eine Liste an Fragen ausgearbeitet hat, mit deren Hilfe die eigene Nähe zu AfD-Positionen überprüft werden kann. Auch die Webseite sollichafdwaehlen.de wird angesteuert. Wer sie öffnet, bekommt ein einziges Wort angezeigt: Nein.

Wer auf die Webseite www.sollichafdwaehlen.de geht, bekommt ein einziges Wort angezeigt.

Beliebt ist zudem ein 72-stündiger Live-Stream der SPD, der es Usern erlaubt, der Partei Fragen zu stellen und Martin Schulz bei einem Auftritt in Köln zu beobachten. Noch spannender finden es die SPD-Fans auf Facebook allerdings, endlich einmal die Frau des SPD-Kanzlerkandidaten zu Gesicht zu bekommen. Sie hatte sich aus dem Wahlkampf komplett herausgehalten. Ein Video der Welt zeigt Martin Schulz bei seinem letzten Auftritt in Aachen, wo er seine Frau dann doch öffentlich küsst und in die Arme nimmt.

Nach 18 Uhr lassen sich die SPD-Fans auf Facebook erst einmal von einem kurzem Dankes-Video der SPD an die Wahlkämpfer und Unterstützer berieseln. Danach informieren sie sich über die Proteste gegen die AfD-Wahlparty in Berlin, wobei neben verschiedensten Artikeln vor allem Bemühungen einer Live-Berichterstattung (unter anderem von Bild, DW Stories und Welt) vom Ort des Geschehens gut ankommen.

Auch eine Erklärung auf der Webseite des Zentralrats der Juden, in der ZdJ-Präsident Josef Schuster von allen demokratischen Parteien fordert, „dass sie das wahre Gesicht der AfD enthüllen und die leeren, populistischen Versprechen der Partei entlarven.“, wird zum Trend.

Der Wahlschock scheint bei einigen Usern den Wunsch hervorzurufen, sich spontan mit süßem Gebäck zu versorgen. Da am Sonntagabend nicht mehr viel im Kühlschrank zu sein scheint, wird ein einfacher Rahm– oder Apfelkuchen zubereitet…oder zumindest schon einmal das Rezept auf Facebook gestellt.

Am 25.09. kommt ein Kommentar des stellvertretenden ZDF-Chefredakteurs Elmar Theveßen zum Angriff auf Demokratie, Rechtsstaat und Menschenrechte durch die AfD besonders gut an. Theveßen antwortet darin unter anderem auf Gaulands Zitat vom Wahlabend, in dem dieser angekündigt hatte: „Wir werden uns unser Land und unser Volk zurückholen“, mit den Worten: „Das Land, Herr Gauland, gehört weder Ihnen noch der AfD. Und das Volk erst recht nicht“.

Besonders oft geteilt wird zudem ein offener Brief des Kampagnen-Netzwerks Avaaz gegen die AfD. Darin heißt es: „Sehr geehrte AfD, wir sind die 87 Prozent, die euch nicht gewählt haben. […] Das hier ist unser aller Land und ihr holt es euch nicht zurück. „

Auch die Pressekonferenz von Angela Merkel im Adenauer Haus sowie die Ankündigung Frauke Petrys nicht der AfD-Bundestagsfraktion angehören zu wollen, stößt auf Interesse. Daneben die Frage nach der Möglichkeit einer Jamaika-Koalition. Unter anderem wird ein Video geteilt, in dem Christian Lindner sich auf einer Autofahrt filmt und erklärt, dass er für Koalitionsgespräche offen ist, sich die FDP aber auch in der Oppostion vorstellen kann.

Beim Verarbeiten des Wahlschocks scheint schließlich Konstantin Weckers Lied „Sage nein“ tröstlich zu sein. SPD-Fans teilen die persönliche Reaktion des Musikers auf das Ergebnis der Bundestagswahl, in die das entsprechende Lied eingebettet ist.

Für diesen Text haben wir mit dem Social Listening Tool Crowdalyzer Posts der Fans der SPD-Facebook-Seite vom 24. und 25.09.2017 analyisert.

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