Erst Facebook holt Online-Desinformationen aus der Nische

Ohne die sozialen Netzwerke hätten “Fake News”-Webseiten kaum Erfolg

Fragwürdige Desinformations-Webseiten würden eigentlich nur wenige Menschen erreichen. Wenn da nicht Facebook wäre.

Social Media-Nutzer

Hochaktive Social Media-Nutzer werden häufger mit Fake-Inhalten konfrontiert. Weil sie insgesamt mehr Online-Quellen ansteuern, sagen Forscher.

Menschen, die viel Zeit in sozialen Netzwerken verbringen, kommen häufiger mit Online-Fehlinformationen in Kontakt als andere Internetnutzer.

Zu dieser Erkenntnis kommen die amerikanischen Wissenschaftler Jacob L. Nelson und Harsh Taneja, die jedoch auch betonen, dass insgesamt nur ein kleiner Teil der User zweifelhafte Online-Inhalte liest.

Tatsächlich reichen die Besucherzahlen so genannter “Fake News”-Seiten bislang bei weitem nicht an die Beliebtheit seriöser Nachrichtenseiten heran. Dies konnte das Reuters Institute am Beispiel der Länder Frankreich und Italien zeigen.

Facebook befeuert Online-Lügen

Auf Facebook stehen etablierte Medien hingegen unter Druck: Webseiten, die Unwahrheiten verbreiten, sammeln oftmals mehr Likes, Shares und Kommentare ein als seriöse Nachrichtenportale. Auch deutschsprachige Medien müssen sich mit solchen Seiten messen lassen.

In den Top 100 der erfolgreichsten deutschen Webseiten in den sozialen Netzwerken tauchen laut 1000 Flies regelmäßig Desinformations-Portale wie Journalistenwatch, Watergatve.tv oder der Blog Halle-Leaks auf.

Facebook-Nutzung erhöht Angriffe auf Flüchtlinge

Wie lange User insgesamt online sind, ist unwichtig. Aber dort, wo Menschen viel Zeit auf Facebook verbringen, nehmen Angriffe auf Flüchtlinge zu.

Dass Hass und Fehlinformationen aus dem Internet auch auf das echte Leben übergreifen können, zeigt eine Studie, die durch einen Artikel in der New York Times weltweit Beachtung fand.

Karsten Müller and Carlo Schwarz weisen darin nach, dass es in Deutschland genau dort zu Gewalt gegen Flüchtlinge kommt, wo Menschen überdurchschnittlich häufig Facebook nutzen.

Falsche Online-Trends sind nicht totzukriegen

Social Media-User reagieren auf Desinformationen anders als auf faktenbasierte Nachrichten. Ein Forscherteam aus den USA konnte nachweisen, dass Nachrichten vorrangig in den ersten zwei Tagen nach ihrer Veröffentlichung geteilt werden. Danach spielen sie in aller Regel keine Rolle mehr.

Desinformationen hingegen durchleben mehrere Trendphasen. Nachdem das Interesse der User erstmals abgeklungen ist, verschwindet das Thema für einige Zeit von der Bildfläsche, nur um eine Woche, einen Monat oder gar ein Jahr später wieder aufzutauchen.

Fake-Geschichten werden mit der Zeit immer extremer

Auf ihrem Weg durch die sozialen Netzwerke werden Fakes immer weiter ausgebaut und zugespitzt.

Gerne wird dabei die ursprüngliche Falschinformation jedes Mal leicht abgeändert. Ein paar langweilige Details fallen weg, ein paar spannende Aspekte kommen hinzu. Insgesamt wird die Aussage der Falschinformation immer extremer.

Nachgewiesen ist außerdem: In jeder Trendphase werden mit den alten Fake-Geschichten wieder ganz neue User erreicht. Die Fehlinformationen werden deshalb im Laufe der Zeit von immer mehr Menschen gelesen.

Ohne diese Effekte wäre es für Betreiber unseriöser Webseiten schwierig, die Internetnutzer mit ihren Online-Lügen überhaupt erst zu erreichen. Die vorgestellten Studien belegen ein weiteres Mal, welche Schlüsselrolle den Social Media-Plattformen bei der Bekämpfung von Online-Desinformationen zukommt.

Lesen Sie demnächst auf unserem wafana-Blog: Warum wir online so leicht auf falsche Informationen hereinfallen.