BSI-Vizepräsident Schabhüser über Hacker-Angriffe und Desinformationskampagnen vor Wahlen

 „Bei den Europawahlen wird das Thema eine größere Relevanz haben“.

 

An der Akademie für Politische Bildung in Tutzing läuft derzeit die Tagung „Zahlenzauber, Techniktricks und verdeckte Einflussnahme: Wahlmanipulation und Wahlfälschung“.

Mit dabei ist Dr. Gerhard Schabhüser, Vizepräsident des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). In seinem Vortrag über „Bots, Fake News, Cyber-Attacken“ ging er auf die Problematik von Desinformations-Kampagnen und Hacker-Angriffen im Umfeld von Wahlen ein.

Hacker-Angriffe und Desinformationen-Kampagnen in Europa sind bislang “schlecht gemacht”

In Deutschland seien bislang „relativ wenige“ solcher Aktivitäten zu erkennen. Das gelte sowohl für die Bundestagswahl 2017 als auch für die Landtagswahlen in Bayern und Hessen.

Selbst die geleakten Dokumente von Emmanuel Macrons Bewegung „En Marche!“, die kurz vor der französischen Präsidentschaftswahl mit Desinformationen vermischt in den sozialen Netzwerken auftauchten, waren Schabhüser zufolge „so schlecht gemacht, dass man vermuten könnte, dass sie lediglich der Machtdemonstration dienen sollten.”

Die nicht eindeutig identifizierten Drahtzieher hätten durch den erst kurz vor Ende des Wahlkampfs gestarteten Beeinflussungsversuch demonstrieren wollen: „So etwas könnten wir theoretisch tun“.

Mehr Desinformationen vor den Europawahlen?

Der in dem Fall mit einfachen Mitteln ausgeführte Hack bedeute jedoch nicht, dass Cyberattacken im Kontext von Wahlen für immer auf einem derartigen Niveau verharren werden.

„Bei den Europawahlen wird das Thema eine größere Relevanz haben“, vermutet der BSI-Vizepräsident. Das liege unter anderem daran, dass hier viele einzelne Wahlen aus europäischen Ländern zusammengetragen werden. “So entstehen etliche Ansatzpunkte für Cyberangriffe, die zum Beispiel das Platzieren falscher Online-Informationen ermöglichen.”

Künstliche Intelligenz erleichtert die Erkennung, aber auch die Weiterentwicklung von Bots

Auch Social Bots würden kontinuierlich weiterentwickelt. Während komplett automatisierte Bots noch recht einfach zu erkennen seien, werde es schwierig, „sobald etwas Menschliches drin ist“, betonte Schabhüser. Dabei handelt es sich um Bots, die zum Teil automatisiert und zum Teil von echten Menschen betrieben werden.

Künstliche Intelligenz werde in Zukunft einerseits die Identifizierung erleichtern, andererseits aber auch noch weiter ausgefeilte Social Bots hervorbringen.

Der BSI-Vizepräsident kann sich zwar vorstellen, dass neue rechtliche Rahmenbedingungen gegen Hacker-Angriffe aus dem Ausland geschaffen werden könnten. Im Fall von Desinformationen sei das jedoch schwieriger, da „wir keine handhabbaren Mechanismen haben, um Anonymität im Internet wirksam zu verhindern“.

Menschen in Deutschland werden lernen, Online-Inhalte zu hinterfragen

Eine Strategie gegen Falsch- und Desinformationen aus dem Internet könnte seiner Ansicht nach ein „Fach Medienkompetenz für alle Schulformen“ sein.

Die Gefahr eines umfänglichen „Digital Divide“, also einer Spaltung der Gesellschaft in Bürger mit Medienkompetenz und in Gesellschaftsgruppen, die falschen Online-Inhalten wenig entgegenzusetzen haben, sieht Schabhüser jedoch nicht. Er geht davon aus, dass in Deutschland in Zukunft alle Internetnutzer dazu in der Lage sein werden, Online-Inhalte kritisch zu hinterfragen.